Herr Stolze, Sie schneiden den Käse zu dick!

b6c659c1f84feca0c7935ceff158dee9… mahnt mich eine Schülerin der Klasse 8a.

Inwiefern ist diese Überschrift für die Fahrt der Klassen 8a und 8b nach Mühlbach am Hochkönig symptomatisch, wenn es sich doch um eine Skireise handelt?

Die einsame Abgelegenheit, unabweisliche Enge, spartanische Einfachheit der Skihütte auf der Mitterbergalm führen zu einer neuen Beziehung zwischen Lehrer und Schüler; fernab von Großstadt und Schule lernen sich beide Seiten in der unausweichlichen Nähe der Hütte von einer eher „menschlichen Seite“ kennen, erfahren sich tw. neu in Eigenschaften, Gestimmtheiten, Talenten, Kompetenzen.

Die Klassen versorgen sich in ihrem jeweiligen Haus selbst; sie sind in rotierende Gruppen eingeteilt, die von begleitenden Studienstufenschülern geleitet werden: Frühstück, warmes Essen, Putzen sind abwechseln zu leisten.

Wer einmal für ca. 35 „Menschlein“ (Herr Stern) in fröhlicher Runde Zwiebeln geschält, Fleisch geschnitten, Salat hergerichtet hat; wer dann auf einem nahezu antiken, holzgefeuerten Herd kiloweise Fleisch gebrutzelt und in einem „Menschenfressertopf“ Mengen von Reis oder Nudeln gekocht hat; wer erleben durfte, dass es schließlich der ganzen Gruppe geschmeckt hat; wer dann auch noch den immensen Abwasch und die Reinigung von Arbeitsplatten etc. geleistet hat, der ist nicht nur erleichtert, sondern vor allem stolz auf sich (von einigen wenigen „Schlitzohren“ einmal abgesehen …).

Und was ist mit Ski? Natürlich sind wir auch Ski gelaufen, und zwar ca. zweimal zweieinhalb Stunden am Tag, meistens unter nahezu perfekten Bedingungen: „Blauweiß“ mit Neuschneeauflage. Absolut beeindruckend war es, wie unsere Anfänger das Skilaufen gelernt haben: am ersten Tag nach einigen wenigen Stunden in den Lift, am dritten Tag parallel die steileren Abhänge hinunter, dann alle Lifte und Pisten des Hochkeil-Gebietes erobernd.
Alle haben Skilaufen gelernt, nahezu alle haben daran Spaß gefunden und waren traurig, wenn das Ende eines wieder schönen Skitages nahte. Ein Höhepunkt war sicherlich der Ausflug in das größere Gebiet der Skischaukel, den alle bewältigt und genossen haben, zumindest am „Schönwettertag“
Ein weiterer Höhepunkt war unsere abendliche Fackelwanderung durch die verschneite Bergwelt zu einer benachbarten Alm, wo wir eine sonntägliche Andacht hielten.

Dass diese Skireise ein derart runder Erfolg werden konnte, ist auch zu großem Teil den begleitenden Studienstufenschülern zu verdanken, die sich vorbildlich eingesetzt und Verantwortung für die ihnen anvertrauten Schülerinnen und Schüler übernommen haben, beim Ski und in der Hütte ein Dream-Team.

Ein großes Dankeschön geht an Herrn Stern, der in Perfektion diese Klassenfahrt, wie auch viele andere zuvor, bis in jedes Detail geplant, organisiert und durchgeführt hat; man denke nur einmal an die Kalkulation und das Herbeischaffen der Mengen von Lebensmitteln, was nur einen Teil des ganzen Unternehmens ausmacht.

Gab es auf der Hinfahrt im Zug Anlass zu einigen Ermahnungen, durfte sich der geneigte Lehrer auf der Rückfahrt am Lob des begleitenden Zugchefs über die Disziplin der Schülerinnen und Schüler erfreuen; vielleicht auch ein Indiz für eine gelungene Klassenfahrt.

PS. In der Folge der Ermahnung habe ich den Käse zur Zufriedenheit geschnitten

F.R. Stolze