Archiv für den Monat: Januar 2008

Comenius-Lehrertreffen in Miskolc, Ungarn

6ebbcee3df2e4ae42813807473df7544Lehrer von sieben teilnehmenden Schulen trafen sich bei winterlichen Temperaturen vom 9. bis 12. Januar 2008 in unserer Partnerschule Fenyi Gyula Jezsuita Gimnazium in Miskolc im Nordosten Ungarns. Unsere 1993 gegründete Partnerschule ist die einzige Jesuitenschule Ungarns; sie wird von 540 Schülerinnen und Schülern besucht, von denen 170 im angeschlossenen Internat wohnen. Neben einem vielfältigen Angebot in Sprachen, Naturwissenschaften und Sport ist ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der Schule die Pflege internationaler Kontakte. Nach unserem dreijährigem Comenius-Projekt Come together work together zur Einführung moderner Gentechnik arbeiten wir auch gemeinsamen an unserem neuen Biotechnologie-Projekt.

Während unserer Workshops wurde das Schüler-Lehrertreffen vom November 2007 in Pforzheim reflektiert und intensiv an der Feinabstimmung und Koordination für die nächsten Monate (praktische Arbeite in den einzelnen Schulen) sowie für das nächste Schüler-Lehrertreffen mit Praktikum im kommenden Herbst in Brünn gearbeitet.
Eine Stadtführung und Exkursionen in die Umgebung vermittelten den Teilnehmern einen Einblick in die Stadt und die Region.

„Verweile doch, du bist so schön!“

6c3e4c864e417509e385e6bc6d16444cVortrag zu Goethes Faust im literarischen Café am 22.1.2008
Nach dem von Ben Esser mit faustischer Energie gespielten Prélude in cis-Moll von Rachmaninow mochte so mancher der fast 100 Besucher des literarischen Cafés heimlich zitieren „Verweile doch“, aber es half nichts, Ben musste weiter zur Probe. Doch der 40-minütige Faust-Vortrag des jungen Doktoranden Gerrit Brüning (29) von der Universität Berlin half schnell über den Verlust hinweg und sorgte für ein anderes geistiges Vergnügen. Auf Einladung von Helge Sturm war er in seine Heimatstadt gekommen, um sein schwieriges Thema nach intensiven vorbereitenden Kontakten mit der Ansgarschule auf die Bedürfnisse der Schüler (Abi-Thema Lk D 2008, Gk D 2009) zuzuschneiden. Die Gäste aus unserer und vier anderen Hamburger Schulen, sowie Lehrer und Eltern dankten ihm die Mühe mit bemerkenswerter Aufmerksamkeit und Konzentration.
Ausgehend von Fausts Wette mit Mephistopheles erschloss Herr Brüning in überwiegend textimmanenter Interpretation das vielschichtige Drama und zeigte Fausts Verbrechen als Folge eines ungezügelten Erlebnishungers. In der anschließenden Fragerunde überzeugte der Referent immer wieder mit profunder Textkenntnis und der Fähigkeit zur notwendigen Reduktion von Komplexität. Selbst während des gemütlichen Ausklangs bei Salzgebäck und auch geistigen Getränken wurde weiter intensiv diskutiert und das Interesse an einem so lebendig gemachten Faust mag manchen Schüler zu einem neuen Verständnis der faustischen Wette führen: „Werd’ ich beruhigt je mich auf ein Faulbett legen:/So sei es gleich um mich getan!“

Andreas Goletz de Ruffray

Vom Wattenmeer über Leuchtturmprojekte bis zu „amerikanischen Anschrei-Camps“

de1d8e6cedb0e10584330082251cce5fWahl-Hearing an der SAS am 16. Januar 2008
Die Themenpalette war groß, zu der sich Vertreter der CDU (Herr DeVries), Die Linke (Herr Bischoff), FDP (Frau Canel), GAL (Herr Müller) und SPD (Herr Zuckerer) im Rahmen des SAS-Forums in der Pausenhalle der Ansgarschule äußerten: Umweltschutz aktuell (UNESCO Weltkulturerbe Wattenmeer), Wirtschaft in Hamburg, öffentlicher Nahverkehr, Mindestlohn, Kultur und Bildung, Schulpolitik, Jugend und Kriminalität. Die von Helge Sturm souverän und kenntnisreich geleitete Debatte folgte neuen Spielregeln: Nach einer je zweiminütigen Vorstellung ihrer Person reagierten die Parteipolitiker auf Fragen der Schüler, die sowohl die unterrichtliche Vorbereitung des Hearings wie auch ein sehr individuelles Problembewusstsein zeigten. Die Positionen der sehr sachbezogen argumentierenden Politiker spiegelten weitgehend die Parteilinien, etwa die Entgegensetzung von Ökologie und Ökonomie der CDU im Streit um das „Weltkulturerbe Wattenmeer“, vermittelten aber auch zahlreiche, häufig weniger bekannte Fakten, etwa die Tatsache, dass in Hamburg 30.000 Lohnempfänger zusätzlich Hartz IV-Gelder beziehen, weil ihr Einkommen trotz voller Arbeitszeit zu gering ist (Mindestlohndebatte). Viel Übereinstimmung gab es in der Kultur-und Bildungspolitik, obwohl nicht alle das Leuchtturmprojekt Elbphilharmonie für sinnvoll hielten (Die Linke). Mehr Gegensätze wurden in der Schulpolitik im Streit um das 2-Säulen-Modell deutlich. Zwischen Prävention und Repression sortierten sich die Parteivertreter im Streit um Jugendkriminalität. Bemerkenswert war die Ablehnung „amerikanischer Anschrei-Camps“ (FDP) und der Hinweis von der CDU, diese Debatte müsse „in anderem Ton“ geführt werden, sie solle eben nicht so wie in Hessen hochgeKOCHT werden.

Andreas Goletz de Ruffray | Knud Kamphues