Archiv für den Monat: April 2008

Louis Braille? Wer bitte?

e66cbc2bfd082e7d25bb8aba2a5bd194Sozialpraktikum 2008 Mein Sozialpraktikum habe ich im Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg gemacht. Der Verein hat seinen Sitz im Louis-Braille-Haus. Der Namensgeber war selbst blind und hat 1825 die tastbare Blindenschrift aus sechs Punkten entwickelt.
Der Verein wurde 1909 gegründet und vertritt als eine Selbsthilfeorganisation die Interessen der sehbehinderten und blinden Menschen in Hamburg. Im Verein sind insgesamt 14 Mitarbeiter tätig, die zum Teil selbst sehbehindert oder blind sind.
Blinde finden hier in den verschiedensten Bereichen Unterstützung. Es gibt unter anderem Beratungen für Menschen, die noch nicht lange blind oder sehbehindert sind, und Antworten auf die die Fragen, wie das Leben nach der Erblindung weiter gehen soll. Der Verein bietet auch Sehhilfen-Beratung, Unterricht in der Punktschrift, aber auch Nachmittage für Senioren bei Kaffee und Kuchen. In meinem Praktikum habe ich auch einige Bereiche der Arbeit des Vereins kennen gelernt, wie z.B. den Bereich der Sehhilfen. Zu den Sehhilfen gehören unter anderem sprechende Uhren, Kalender mit übergroßer Schrift und vieles mehr. Mir wurden auch Einblicke in die Punktschrift beigebracht, wobei ich sagen muss, dass diese nicht einfach zu erlernen ist. Um auch Texte in der Punktschrift schreiben zu können, gibt es eine Punktschrift-Maschine, die natürlich aus sechs Tasten besteht. Ich habe ebenfalls gelernt, mit dieser Maschine zu schreiben. Heute gibt es auch Braille-Tastaturen für den PC. Seniorennachmittage, die immer mittwochs und donnerstags stattfinden, habe ich mit vorbereitet und auch miterleben dürfen.
Des weiteren habe ich Hausbesuche gemacht. Dabei habe ich ältere und sehr nette Menschen kennen gelernt, mit denen habe ich dann entweder Einkäufe erledigt oder einfach Spaziergänge unternommen. Die Zeit für ein Gespräch war besonders wichtig.
Während meiner Zeit im Blinden- und Sehbehindertenverein habe ich gelernt, dass nicht alle Menschen gleich mit ihrem Schicksal umgehen. Manche brauchen länger und andere wiederum kürzer, um mit ihrem „neuen Leben“ klar zukommen.

Julia Ornot 

ungeduldig – ein SAS-Forum über jugendliche Flüchtlinge für die 10. Klassen

6f6731e4ad52008e4638f6b94064281eAm 23.04.2008 in der 3. und 4. Stunde haben sich die 10. Klassen der SAS den Kurzfilm „ungeduldig“ angesehen über mehrere jugendliche Migranten, die unbegleitet nach Deutschland gekommen sind. Zum Forum kamen drei der am Filmprojekt Beteiligten und Frau Ines Foegen von iMiR, dem Institut für Migrations- und Rassismusforschung.

Im Film wurden jugendliche Migranten interviewt über ihre Zukunftspläne, Wünsche und Hoffnungen. Sie sprachen über ihre Angst, abgeschoben zu werden, da sie nur eine Duldung besitzen. Eines der größten Probleme ist, dass die Flüchtlinge keine Arbeitserlaubnis haben und ihnen nach Ablauf der Schulpflicht keine Ausbildung ermöglicht wird. Sie haben keine richtige Perspektive, da sie jeden Tag mit der Angst leben abgeschoben zu werden. Mit diesem Film will eine Gruppe junger Flüchtlinge auf dieses Problem aufmerksam machen, denn die Behörden weigern sich, ihnen zu helfen. In der anschließenden Diskussion wurde auch über den Fall gesprochen, dass manche der Menschen mit Duldungspapieren sogar in Deutschland geboren sind, sie haben keine Verbindung mehr zum Land ihrer Eltern, trotzdem müssen sie fürchten, in ein fremdes Land abgeschoben zu werden, nur weil ihre Eltern aus diesem Land gekommen sind.

Es ist und bleibt ein Problem, auf das man aufmerksam machen muss, gerade weil Hamburg eine besonders harte Politik gegenüber Menschen mit Duldungspapieren betreibt.

Dieses SAS-Forum war der Abschluss eines Projektes der ehemaligen Klasse 9b, die im vergangenen Schuljahr am Pedro-Arrupe-Wettbewerb teilgenommen hat. Dieser Wettbewerb ist benannt nach dem vorletzten Ordensoberen der Jesuiten, der den Jesuiten-Flüchtlings-Dienst ins Leben gerufen hat. Bei der Entwicklung unseres Projektes hat uns Frau Foegen geholfen, mit der wir die Technik der Interviewführung und Auswertung eingeübt und über sozialwissenschaftliches Forschen gesprochen haben. Unser Traum, einen der Preise zu gewinnen, wurde nicht wahr. Aber unsere eigenen Forschungsergebnisse mit Begegnungen, Interviews und Hintergrundinformationen über die Herkunftsländer der Flüchtlinge bleiben in Erinnerung.

Almut Semkow & Victoria Gosciniak | oe | kk