Kein Märchen! 1001 Artikel auf der Homepage der Sankt-Ansgar-Schule

4ef044a3996bc96271d46206ca8f0cdaWirb oder stirb! Die Binsenweisheit der Konsumgesellschaft gilt längst auch für den Bildungsanbieter Schule. Kaum eine weiterführende Schule verzichtet heute noch darauf, ein Werbeplakat ins Internet zu stellen. Selbst die Sankt-Ansgar-Schule, seit Jahrzehnten an der Expansionsgrenze bei stabiler Nachfrage selbst in geburtenschwachen Schülerjahrgängen, stellte vor nunmehr drei Jahren eine Seite ins Netz, die, ja, auch werben soll – wenn auch ein wenig anders.
Werbung scheint heute synonym zu sein für Überredung, Manipulation oder gar Gehirnwäsche, und das gilt häufig nicht bloß für die Warenwelt, sondern auch für unseren Umgang miteinander. Die Chansonnière Anne Sylvestre singt bedauernd ‘On ne se tourne plus autour’ und trifft damit den Sinn des althochdeutschen ‘hwerban’, das eigentlich meint ‘sich um jemanden herum bewegen’. Werbung durch Annäherung, durch genaues Hinsehen, durch Information, das ist es, was unsere Homepage will.
Wen wir umwerben wollen? Natürlich auch die von draußen, aber genauso die längst zur Schulgemeinschaft Gehörenden. Ersteren soll ein lebendiges Bild unserer Schule als Arbeits- und Lebensgemeinschaft gegeben werden, für letztere soll auch ein Stück Corporate Identity formuliert werden, unser Selbstverständnis, Ergebnis eines dynamischen Prozesses: des ständigen Dialogs der Schule mit ihrer Gesellschaft und mit sich selbst, also auch mit ihrer Tradition. Bonitatem et disciplinam et scientiam doce me domine – in dieser Reihenfolge!
Über tausend Artikel in knapp drei Jahren – das ist mehr als ein Artikel pro Schultag. Soviel Information scheint mir kaum eine andere Schulhomepage zu bieten. Dabei bemühen wir uns, nicht allzu sehr zur Reizüberflutung beizutragen, stellen jedem Text ein Bild zur Seite, überfüttern die Sinne nicht und beschäftigen den Geist. Unser Ideal hat Hofmannsthal in seinem Vorwort zu einer neuen Ausgabe von 1001 Nacht beschrieben: „Hier ist die kühnste Geistigkeit und die vollkommenste Sinnlichkeit in eins verwoben“. Nach der indischen Rahmenerzählung erzählt Schehrezade dem König Schehriyar jede Nacht eine spannende Geschichte, um dem Schicksal seiner früheren Bräute zu entgehen, die nach der Hochzeitsnacht getötet wurden. Möge uns der Stoff für den König Internet nicht ausgehen, auf dass er die geliebte Schule noch lange verschone!

Andreas Goletz de Ruffray | kk | mg 27.4.09