Archiv für den Monat: Januar 2010

Diplomatie und Glaubwürdigkeit

1c9527d36c1b3de593420b6f840d5bb5Politik Aktuell: der GMK-Kurs 11 von Frau Dr. Meyer zu Natrup probiert in Haus Rissen einen Tag lang, für die Konfliktparteien im Afghanistan- Einsatz einen Konsens im UN-Sicherheitsrat er erarbeiten! Die beteiligten Länder im UN-Sicherheitsrat rangen um die Inhalte der Friedensmission, der humanitären Hilfe und um die Mandatsverlängerung, als ob wir selbst in der New Yorker UN-Zentrale säßen. Den Schülern fiel es zu Anfang bestimmt nicht leicht, die Geschäftsordnung und die Sprachregelung im UN-Gremium umzusetzen. Vor allem aber stellte sich heraus, daß die 5 Veto-Länder im Sicherheitsrat einen tragfähigen Beschluß sofort blockieren wollten und dies am Schluß auch wirklich taten.
Das reale Machtgerangel und die mühsame Suche nach einem Kompromiss war harte Arbeit für die Schüler. Heute wird auf der Afghanistan Konferenz in London miteinander debattiert: gestern mußte unser GMK-Kurs darüber beraten, was genau der Wiederaufbau umfassen soll, wie und wann mehr Polizeihelfer von welchem Land geschickt werden, wie die zivilen Ausbilder mehr Vertrauen aufbauen können – eine Kette von Fragen, die letztendlich an der jeweiligen Interessenlage vor allem der Sicherheitsratsmitglieder China und USA immer wieder zu sprengen drohte. Mit Laptops zum Abändern der Resolution wurde in den Länder-Lobbyinggruppen hart miteinander um machbare Lösungen gekämpft. Die Lage schien zeitweilig so verworren zu sein wie im echten Kriegsgebiet Afghanistan. Die geopolitischen Gefahren, die sich aus einem sich selbst überlassenen Afghanistan ergeben, haben unsere Schüler schnell herausgearbeitet. Aber den poltischen Handlungsrahmen fand auch dieser simulierte Sicherheitsrat wegen der unterschiedlichen Interessen der Länder einfach nicht.
Abends war uns allen klar: die Konfliktlösung verlangt ein überaus hartes Verhandeln zwischen den UN-Mitgliedern. Daheim hat jeder von uns angesichts der Fernsehnachrichten neue Einsichten im Gepäck gehabt: Lösungen in so heiklen Konfliktgebieten sind nur mit Diplomatie und Glaubwürdigkeit zu erzielen, niemals mit militärischer Gewalt.

V.i.d.S. MzN

Einmal über den Tellerrand schauen… Der erste Profiltag des 1. Sem.

903c1e5df95f74848b91dcb9e07d9801In den Räumen der katholischen Akademie fand heute der erste Profiltag des 1. Semesters statt, bei dem sich sicherlich viele Schüler fragten, wie der Tag seinen Lauf nehmen wird, und was wir Schüler daraus lernen können. Der Profiltag dient dazu sich gegenseitig die behandelten Thematiken des ersten Semesters aus jedem Profil mithilfe von Präsentation, Plakaten sowie Diskussionen und Debatten vorzustellen und Wissenswertes zu behalten. Bereits vor der Veranstaltung herrschte unter den Schülern reger Austausch und viele rätselten darüber, was uns die Schüler der anderen Profile vorstellen werden. Nach einer kurzen Einführung in das Tagesprogramm schlenderten die Schüler von Station zu Station – interessiert, ziellos, aber größtenteils neugierig. Die Stationen zeigten biologische sowie chemische Experimente, Bilder aus dem Kunstprofil und kleine Präsentationen sowie Erläuterungen zu verschiedenen Themen. Im Nachhinein stellte jedes der Profile auf unterschiedlichste Art und Weise den Inhalt des ersten Semesters vor. Beginnend mit dem fünften Profil “Leib und Seele” und einem kurzen szenischen Spiel aus dem Fach Religion des vierten Profils, verlief die Veranstaltung strikt nach Plan. Der Großteil bestand aus medienunterstützen Präsentationen, wie z.B. des ersten und dritten Profils, worüber hinaus sich auch Experimente im Vortrag des zweiten Profils fanden. Trotz stärkender Mittagspause stand manchen Schülern nach mehreren Stunden Müdigkeit im Gesicht geschrieben; Insgesamt ist der Profiltag als durchaus gelungen und positiv zu bewerten, weil man bei vielen Vorträgen die Anstrengungen der Schüler deutlich merkte, und die Diskussionen im Plenum zum Nachdenken anregten. Letztendlich ist darauf zu hoffen, dass sich auch weiterhin hohe Motivation für weitere Profiltage unserers Jahrgangs zeigen wird, sodass man auch einmal über den Tellerrand schauen kann, um seinen Horizont zu erweitern.

Alan Baier-J. 1. Sem. | Knud Kamphues

Hamburg – gesellschaftlicher Wandel und Gesellschaftspolitik

68c64b078d335b76672571f34253aa71Ein spannender Dienstagabend im literarischen Café mit AYDAN ÖZOGUS – Hamburger Bundestagsabgeordnete der SPD Die Zahlen, die Frau Özogus in ihrem mit power-point unterstützten Vortrag nennt, lassen aufhorchen, machen nachdenklich: 15,4 % der Bevölkerung des Stadtstaates sind 0 bis 14 Jahre alt, 18, 2 % sind über 65. – Ca. 15 % der Einwohner (ungefähr 260.000 Menschen) besitzen ausländische Pässe und stammen aus 180 Staaten. – 95.464 stammen aus Drittländern mit unbefristetem Aufenthaltsstatus, 75.594 leben mit befristetem Aufenthaltsstatus in unserer Stadt.
Es gelingt der Referentin in ihrer sehr klaren, präzisen Sprache, den über hundert SAS-SchülerInnen und sechs LehrerInnen die Problematik des Begriffs „Migrationshintergrund“ in seiner Komplexität zu erläutern, nahe zu bringen. Jeder vierte Hamburger hat einen Migrationshintergrund, bundesweit sind es 19 %. Fast jedes zweite Kind, das eingeschult wird, hat in HH einen solchen Hintergrund – große Chancen und Herausforderungen für unseren Stadtstaat. Hamburg lebt traditionell davon, dass Ausländer in unserer Stadt und mit Unternehmen unserer Stadt sehr gute Geschäfte machen. Dadurch ist Hamburg reich geworden.

Frau Özogus nennt drei große Problembereiche im gegebenen Zusammenhang: 1.Bildung – 2. soziale Ungleichheit, d.h. die in HH besonders gravierend ausgeprägte Arm-Reich-Schere und 3. demographische Entwicklung und Integration. Hamburg weist den zweitgrößten privaten Reichtum aller europäischen Metropolen auf, hat eine Armutsquote 14, 1 %, 51.804 Menschen leben von Hartz IV. Die Stadt driftet sozial erschreckend auseinander.
Es gelingt Frau Özogus, das junge Publikum zu fesseln: Sie zeigt auf, ohne zu dramatisieren, entwickelt Perspektiven. Ruhig. Souverän. Zurzeit sind in Hamburg 40 % der Unter-25- Jährigen arm. Am stärksten gefährdet sind Jugendliche ohne qualifizierte Bildungs- und Berufsabschlüsse und mit sprachlichen Defiziten. Irgendwann, irgendwo, in irgendeinem Kontext haben wir das alles schon einmal gehört. Die Referentin untermauert ihre Ausführungen mit aktuellem Zahlenmaterial, kann sehr anschaulich erzählen, Beispiele nennen. Entwickelt Zusammenhänge. Ihr Vortrag hat für mich einen aufklärenden Charakter – im allerbesten Sinne des Wortes.
„Das war das Beste, was wir je von einem Politiker gehört haben!“ „Sie hat eine total sympathische Art.“ „Sie versteht die Sprache und die Probleme der Jugendlichen!“ So und ähnlich lauten die einhellig positiven Einschätzungen nach der Diskussion, die gegen 21 Uhr 50 durch die Schulglocke und einen eindrucksvollen Applaus beendet wird. An Frau Özoguz fasziniert mich, dass sie mit Intellekt und Empathie an ein derart komplexes und brisantes Thema herangeht, ohne sich irgendeiner Klientel oder einer bestimmten Altersgruppe sprachlich oder inhaltlich anzubiedern und anzudienen.

P.S. Mein besonderer Dank geht an Herrn Brühl, der unter den Bedingungen unseres Umbaus den verbliebenen Teil der Pausenhalle hergerichtet hat, damit die Veranstaltung überhaupt stattfinden konnte.

Helge F. Sturm | Knud Kamphues