Archiv für den Monat: Februar 2010

Diskutieren auf Augenhöhe

cd835f8224feb1cd47dc7c206bb7e8bcSchnupperpraktikum für die achten Klassen | Seminartag für das zweite Semester

Während der Elternsprechtage Mitte Februar finden auch in diesem Jahr für die Schülerinnen und Schüler der achten Klassen und des zweiten Semesters berufsorientierende Veranstaltungen statt.
Die Schüler der achten Klassen absolvieren in sehr unterschiedlichen Unternehmen in Hamburg ihr Schnupperpraktikum: Rechtsanwaltskanzleien, Großunternehmen sehr unterschiedlicher Ausrichtungen in den Bereichen Industrie und Dienstleistungen, kleine Handwerksbetriebe, Verwaltung, Architektur, Vertrieb u. v. a. stellen auch in diesem Jahr einen Praktikumsplatz für unsere Achtklässler zur Verfügung. Unsere Schüler können hier ihren ersten Kontakt mit der Wirtschaft und Industrie schließen, ein bisschen Luft außerhalb der Schulstube schnuppern, eine gute Vorbereitung auf das Betriebspraktikum im Jahr 2011. – Die jungen Leute haben in den kommenden Wochen Zeit, ihre Firmen in kleinen Präsentationen innerhalb des PGW-Unterrichts vorzustellen und ihren Mitschülerinnen ihre Erfahrungen mitzuteilen.
Ca. 50 % unserer S-2-Schüler besuchten im Haus Rissen ein Seminar zur sozialen Marktwirtschaft mit Frau Dr. Meyer zu Natrup (siehe unten), die andere Hälfte setzt sich in der Schule mit Anforderungsprofile und Chancen der dualen Ausbildung und des dualen Studiums auseinander.
Die beiden Referenten sind nur wenig älter als die TeilnehmerInnen. Christof Madejewski, Abitur 08 an der SAS, hat sich auf die Präsentation und Diskussion in „seiner“ alten Schule sehr präzise und umfassend vorbereitet. In seiner freundlichen, zugewandten, selbstbewussten Art gewinnt er sehr schnell das Interesse seiner ZuhörerInnen: Er berichtet sehr lebendig und anschaulich über den Alltag eines Azubis in einem der größten weltweit agierenden Hotelkonzerne, bei Accor, über Rechte, Pflichten, Karrierechancen, den Umgang mit Vorgesetzten und Gästen. Und ganz am Rande über das total untergeordnete Thema „Gehalt“…
Stefan Bammel, Abiturjahrgang 2006, Schüler des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums in Salzwedel in Sachsen-Anhalt, informiert über das duale Studium: Studium an der HSBA (Hamburg School of Business Administration) in der Hamburger Innenstadt in Kombination mit der praktischen Ausbildung in einem Unternehmen, hier der Haspa. Das teure Studium (ca. 650,- Euro pro Monat) wird weitgehend vom Unternehmen finanziert; so muss ein Haspa/HSBA-Student nur 50,- Euro persönlich von seinem Gehalt finanzieren, das Studium dauert drei Jahre, am Ende steht der Bachelor. Es macht Spaß, Stefan Bammel, zuzuhören, wenn er begeistert, engagiert, kritisch über seine Arbeit in der Bank und von den Vorzügen, den Anforderungen an der HSBA berichtet.
Die Schüler hören mit Interesse zu, stellen Fragen, diskutieren auf Augenhöhe, sind neugierig; verabschieden die Referenten schließlich mit einem herzlichen Applaus.
Die beiden Referenten verstehen sich offenbar sehr gut miteinander, ergänzen sich, haben Freude an ihren Vorträgen und den Diskussionen mit unseren Schüler. – Am letzten Dienstag im Juni erwarten wir die beiden wieder in unserem Haus, dann kommen die Zuhörer von heute in den Genuss des Seminartages zur Sozialen Marktwirtschaft, während die andere Hälfte das Vergnügen hat, sich über duale Ausbildung und duales Studium bei Stefan Bammel und Christof Madejewski zu informieren. Ein besonderer Dank an Frau Dr. Meyer zu Natrup und Herrn Schulz, die diesen Seminartag mit ermöglicht haben; Dank an unseren Förderverein und die Stiftung von Frau Dr. Leenen, die die Veranstaltung im Haus Rissen subventioniert haben.

 
Helge F. Sturm 

workshop: Kompaktkurse Soziale Marktwirtschaft

6f6fac1921c2fba896d96feb1adb16d0Der halbe 11er Jahrgang von Herrn Sturm und von Frau Dr. Meyer zu Natrup arbeitete sich einen Tag durch die Finanzkrise und deren Konsequenzen für die zunehmende soziale Kluft in Deutschland.
Im Haus Rissen untersuchten die Schülerinnen und Schüler, inwiefern die größte Krise seit 1945 eine Krise der Sozialen Marktwirtschaft bedeutet. Die Rissener Dozenten Jasna Makdissi und Johannes Klocke luden dazu Herrn Multerer von der HSH-Nordbank, den Obmann im Parlamentarischen Untersuchungsausschuß Herrn Waldowsky (GAL) und Herrn Moritz vom Mittelstand Deutscher Unternehmer ein.
Fragen, wie die soziale Kluft in Deutschland wächst und welche Bevölkerungsschichten besonders unter der Wirtschaftskrise leiden, bearbeiteten die Schüler intensiv in Arbeitsgruppen.
Von besonderem Interesse aber blieben die Strukturen der Finanzindustrie. Die Schülermoderatoren Ahad M. und Markus H. hatten es angesichts der Überlegungen, ob die gesellschaftliche Verantwortung der Privatwirtschaft die Soziale Marktwirtschaft rettet, mit den so unterschiedlichen Gastbeiträgen wahrlich nicht leicht. Jeder Fernsehtalk verblasste im Vergleich zu den Disputen, denn die brennendsten Fragen wie z.b. die persönliche Haftung von Managern und das internationale Bankensystems waren den Schülerinnen und Schülern durch eine gute Vorbereitung vertraut.
In der Pause bot das Haus Rissen beste kulinarische Stärkung, auch dank der Stiftung “Füreinander” und dank des Freundeskreises der SAS, die uns beide die Finanzierung dieses workshops sicherstellten.
Die Geschäftsführerin von “Füreinander”, Frau Dr. Leenen, überzeugte sich selbst von der Qualität des workshops und ihr war es als ehemalige Lehrkraft an der SAS eine besondere Freude, ehemalige Schüler so aktiv bei diesem hochaktuellen Thema erleben zu dürfen.
Nach einem Tag Arbeit begreifen unsere GMK-Kurse die Wirtschafts- und Finanzkrise als ein Dauerthema mit schweren gesellschaftlichen Folgewirkungen. Unsere Schüler sind sich der Folgen für die Sozialstruktur und für die Ressourcen auch im Bildungswesen sehr bewußt. “Schade, daß die Leute sowenig darüber wissen”, meinte Robert, ” denn wir müssen die Kosten schultern, ob wir wollen oder nicht”.

V.i.d.S. MzN

Aminosäuren in Gefrierschränken

4528cb12da8c1b453d7a4914a64afd74Am 2. Februar 2010 trudelten die Schüler des ersten Profils aus dem ersten Semester in das verschneite Gebäude des Pränatalzentrums Hamburg ein, um sich dort näher über die genetische Beratung zu informieren. Mit einer lockeren Gesprächsrunde und anschließender Einführung begann das Prozedere im hinteren Teil der Praxis. Zunächst erläuterte uns Fr. Dr. S. Kleier, welchen Aufgaben die Humangentiker sich stellen, welche Patienten solch eine Praxis aufsuchen, und warum diese den Besuch, verbunden mit eventuellen schwerwiegenden Folgen, auf sich nehmen. Die Humangenetiker der Beratungsstelle analysieren in Laboren die familiären Stammbäume der Patienten, damit sie zum Beispiel bezüglich ihrer zukünftigen Kinder über etwaige Erbkrankheiten in Kenntnis gesetzt werden können. Nachdem die Analyse abgeschlossen ist, wird den Patienten das Ergebnis mitgeteilt, woraufhin sie ausgiebig beraten und über mögliche präventiv oder lindernde Maßnahmen, speziell auf die vorliegende Erbkrankheit zugeschnitten, aufgeklärt werden. Auf Anfrage seitens der Schüler stellte sich heraus, dass in jedem Fall ein Karyogramm, eine geordnete Darstellung der 46 Chromosomen im menschlichen Erbgut, essentiell ist. Anhand fehlender, doppelter oder sogar dreifach vorliegender sowie mutierter Chromosomen können bekannte Krankheitsbilder manifestiert werden. Besonders fiel den Schülern nach mehreren Fragen auf, dass bei einer Beratung keine richtungsweisenden Empfehlungen erlaubt sind, sondern die Patienten dem Selbstbestimmungsprinzip entsprechend, frei entscheiden können. Fortan ging es, nach dem etwa einstündigen Vortag mitsamt Fragen der Schüler, weiter in die anderen Räumlichkeiten der Praxis, wie den einzelnen Sprech- und Untersuchungszimmern, und in die Labore des Pränatalzentrums in denen bekannte Aminosäuren in Gefrierschränken gelagert worden sind, etliche Karyogramme unter den Objektiven der Mikroskope zu erkennen waren, und sogar die PCR-Methode in Echtzeit vonstatten ging.

Mit diesem Rundgang endete der Besuch in der genetischen Beratungsstelle und in einer abschließenden Reflexion wurde deutlich, dass die Exkursion, trotz der etwas zu kurzen Dauer von etwa zwei Stunden, bei den meisten Schülern auf positive Resonanz stieß, zumal die Verknüpfung mit dem Unterrichtsthema Genetik den Schülern wesentlicher leichter fiel, da diesmal die Praxisnähe gegeben war. Für die Zukunft hoffen die Schüler, sicherlich nicht nur des ersten Profils, auf weitere spannende Exkursionen.”

Alan Baier 2. Sem. | Knud Kamphues