Spuren im Wattenmeer – bloody mudflat biotope!

546b31674dcc04f95c0d1990ab20b21bAuf der Wattwanderung zur Insel Neuwerk stoßen die GAPPies auf Widerstände
Wattenmeer, 22.6.2011; Eines der letzten Abenteuer in den platten norddeutschen Landen, wo man jede Überraschung schon Tage vorher kommen sieht, ist die Wanderung durch die Nordsee zur Insel Neuwerk, am besten bei Ebbe. So ist auch die deutsch-amerikanische Schülergruppe des diesjährigen Austauschs mit St. Charles am Mittwoch in See gestochen, oder genauer: ins Watt geglitscht. Es galt, die acht Kilometer durch die wundersam trocken gefallene Mordsee bis zur Hamburger Insel zu bewältigen, bevor uns eine Springtide, Nipptide oder sonstwie bösartige Flut den Boden unter den Füßen verflüssigen würde. Kein Problem, zur Not gab es je die „Cache“, Rettungskäfige auf Stelzen, kein Problem, vor allem, wenn alles glattgeht, und niemand sich die zarten, jugendlichen Füße an ungehobelten Nordseemuscheln aufschlitzt. Genau das aber gelang einigen Exkursionsteilnehmern und sie verloren Zeit, Blut und Mut und hinterließen DNA-Spuren im Matsch. Glücklicherweise konnten die (Leicht-) Verletzten mit ritterlicher Unter(arm)stützung rechnen und so fanden alle noch vor der Tide und den dräuenden Regenwolken den Weg zum Drei-Quadratkilometer-Eiland, wo mit gutem Appetit im alten Fischerhus gespeist wurde. Dann sorgten die vollen Mägen für eine geradezu magische Heilung der vom Salzwasser desinfizierten Kratzer und der erlittenen Traumata.
Die Rückkehr ins urbane Mutterland Neuwerks sollte ziviler und unaufgeregter vonstatten gehen. Mit der Fähre MS Flipper glitten wir sanft wiegend über das graue Nass, das sich die 20 Kilometer Teilzeitland vor Cuxhaven zurückgeholt hatte, und wanderten heiter von der Anlegestelle zum Bahnhof: „I’m singing in the rain…“ Leider hatte der Metronom das Ticken eingestellt und ein Lokführerstreik zwang uns zu unabendländischer Geduld. Der Schienenersatzverkehr nach Stade per Gelenkbus, dessen holländischer Charme (Deur open) nicht über die Kapitulation einiger Fensterdichtungen vor dem Dauerregen hinwegtäuschen konnte, geriet zum Wettlauf mit der Abfahrtszeit der vorletzten S-Bahn von Stade. Wir haben knapp gewonnen, aber eine Pipi-Pause im Bahnhof war nicht mehr drin. Was hinaus wollte, musste verdunstet werden – kein leichtes Unterfangen angesichts der Temperaturen im Sturzflug. Am Ende jedoch triumphierten die 25 Heroen und ihre drei Heerführer aus Sankt Ansgar und Saint Charles sowohl über die Elemente wie die eigene Natur und erreichten den Hamburger Hauptbahnhof und die wartenden (Gast-)Eltern müde, aber bereit zum Empfang des Bundesverdienstkreuzes.

ag