Archiv für den Monat: Mai 2012

Märchen, Mythen, Mystiker

0014d4eb079a037e7c44c89b66f20bb7Menschwerdungsgeschichten gelesen im literarischen Café der Sankt-Ansgar-Schule  Pausenhalle, 15.5.2012. Der durch alle sieben gelesenen Texte gewirkte rote Faden war die ewige Frage: Was ist der Mensch? Bei aller Unterschiedlichkeit der Antworten verblüfften am Ende die Parallelen. Ob im Zauberer Oz, in einem Brief Kleists, bei Prometheus oder Tantalos, in Blochs Prinzip Hoffnung, Meister Eckharts ‚Vom edlen Menschen‘ oder im Grimmschen Märchen ‚Das Wasser des Lebens‘ – immer wieder bewegen uns der Zweifel an dem, was wir sehen, die Hoffnung auf unsichtbare Kräfte und der Glaube an das Gute. Dabei wird die Ähnlichkeit dieser Kulturkreise und Zeitalter übergreifenden Antworten erst im Vortrag hörbar, gleichsam als vielfaches Echo begreifbar. Die Leserinnen Nadine G. und Anna Lena S., die Leser Herr Faupel und Goletz, Herrn Kamphues‘ musikalisch unterlegte Bilderstrecke und die wie immer heitere und freundliche Begrüßung und Verabschiedung der Zuschauer durch Herrn Sturm sorgten für einen anregenden und nachdenklichen Abend mit einem kleinen, aber sehr interessierten und diskussionsfreudigen Publikum.

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Wer ist mit wem verwandt?

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Diese Frage stellte sich der Profil begleitende Biologie-Kurs des sechsten Profils im Rahmen des Themas „Evolution“. Die Schüler und Schülerinnen des Profils sollten herausfinden, welche der sechs Fischarten (Lachs, Forelle, Pangasius, Wels, Rotbarsch und Seelachs) miteinander verwandt sind.
Da die Sankt-Ansgar-Schule über die entsprechende Ausstattung verfügt, ging es mit modernen Arbeitsmethoden an die Lösung des Problems: Kleinste Mengen von Eiweiß wurden jeweils aus den Fischproben extrahiert, diese in Geltaschen pipettiert und anschließend mittels Elektrophorese aufgetrennt. Nach dem Färben der Gele, was einige Zeit dauerte, war es klar – Lachs und Forelle haben so viele gleiche Muskelproteine, dass man sie als verwandte Arten bezeichnen darf.
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Schule ist kein Bildungsanbieter

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Unzeitgemäße Vergewisserungen bei der Kollegiumsfortbildung zur Ignatianischen Pädagogik
Pausenhalle, 31.05.2012. Seinen bewegenden Vortrag zu einem zunächst spröde klingenden Thema begann Pater Klaus Mertes S. J. mit einer überraschenden Demutsfloskel: Die Sankt-Ansgar-Schule sei seine „erste Liebe“ gewesen. 1990 bis 1993 war er Leiter der KSJ und Mitglied des Kollegiums und somit noch vielen Kollegen persönlich bekannt. Als Leiter des Canisiuskollegs in Berlin wurde sein Name einer größeren Öffentlichkeit bekannt, weil er maßgeblich an der Aufdeckung und Aufarbeitung des „Skandals des Machtmissbrauchs und sexualisierter Gewalt gerade auch an von Jesuiten geführten Kollegien“ teilhatte. Inzwischen ist Pater Mertes als Delegat der Gesellschaft Jesu für weiterführende Schulen des Ordens zuständig, in denen weltweit etwa so viele Schüler unterrichtet werden, wie Hamburg Einwohner hat.
Pater Mertes‘ begeisternde Herleitung der Ignatianischen Pädagogik aus dem Leben und der Ordensgründung des Ignatius von Loyola betonte die enge Verbindung von Mystik und Bildung, von Glauben und Vernunft bei den Jesuiten. Dabei kritisierte er das neoliberale und ökonomisierte Verständnis des Bildungsbegriffs, das verschweigt, dass Bildung eigentlich den Prozess der aktiven Entwicklung und Selbstfindung eines Menschen beschreibt, den ein anderer Mensch zwar unterstützen und begleiten kann, der sich aber nicht käuflich erwerben lässt. Lehrende haben sich gegenüber Schülerinnen und Schülern so zu verhalten wie Ignatius‘ Magister gegenüber einem Exerzitanten: Sie dürften nichts für sich, sondern nur für die sich Bildenden wollen; ihre Aufgabe bestehe darin, fremde Interessen abzuwehren und den sich Bildenden Wege zu ihrem Selbst aufzuzeigen. Angewendet auf die Schule erläuterte Mertes die vier Schlüsselbegriffe der Ignatianischen Pädagogik: Würde, Reflexion, Gerechtigkeit und die Frage nach Gott.
In der anschließenden Diskussion wurden ganz konkrete Ableitungen aus diesen Schlüsselbegriffen erörtert, etwa die Frage nach Sinn und Wirkung von Sanktionen wegen Fehlverhaltens, die Frage nach der unter G8-Bedingungen knapper werdenden Zeit für das Nachdenken über das Gelernte, die Notwendigkeit des Abwägens zwischen Empathie und Selbstschutz und die Kooperation mit Eltern. Die hierbei vom Referenten betonte Würde der Lehrerinnen und Lehrer riefen nicht wenige Zustimmungsseufzer hervor, die unmissverständlich zeigten, dass diese Fortbildung nicht bloß begeisternd, sondern auch geradezu heilsam war.

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