Was konnten sie tun?

7359cd2579fe0270a8de7eb5430b6f0cDer Hinweis kam von Pater Mertes SJ, heute Kollegsdirektor in St.Blasien. Als er noch in Berlin war, habe er in der Entwicklung einer Ausstellung mitgewirkt, die nun als Wanderausstellung durch Deutschland „reisen“ werde. Kurz entschlossen haben wir denn beschlossen, diese Ausstellung auch in der Ansgar-Schule zu zeigen. Die Fachbereiche Geschichte-PGW sprachen sich dafür aus, diese Ausstellung mit zwei weiteren „Bausteinen“ zu verknüpfen.

So holten wir die Ausstellung in Berlin im Bendlerbock ab: Sitz der Stiftung 20. Juli und der Gedenkstätte deutscher Widerstand. 25 Stellwände oder Banner, die in der Pausenhalle zu sehen waren. Auf ihnen wurden Menschen vorgestellt, die im Widerstand gegen Hitler in sehr unterschiedlichen Stellungen und mit sehr unterschiedlichen Mitteln protestiert hatten.

Der 6. November wurde zum Projekttag der 10. Klassen. Am Vormittag besuchten alle Klassen die KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Vier Guides begleiteten unsere Schüler durch die Ausstellungen und im Gelände des Konzentrationslagers. Diese Begegnung mit den Spuren von Diktatur und Holocaust – ablesbar an Hunderten dokumentierter Einzelschicksale und einer überwältigenden Anzahl von Exponaten war für die Schüler zutiefst beeindruckend.
Am Abend lud Herr Sturm als Hausherr des Literarischen Cafés dann Schüler, Eltern und Kollegen zu einem Programm ein, das die Eindrücke des Vormittags abrunden sollte: Widerstand und Ethik, Lebensschicksale einzelner Widerstandskämpfer (Delp, Kolbe, Lübecker Märtyrer), Bericht über die Aktion „Wir putzen Stolpersteine“. Hier engagierten sich Schülerinnen und Schüler der zehnten und VS-Klassen, Herr Hamborg begleitete mit Zwischenspielen am Cello das Programm.
Am 13. November reiste die Ausstellung weiter nach Bremen, wo sie in der Konrad-Adenauer-Stiftung gezeigt wird.
Was konnten sie tun? Was können wir tun? Ausstellung und Projekttag konfrontieren uns nicht nur mit den Ereignissen der Geschichte. Indem wir zum Lernen die Schule verlassen, begegnen wir den Ereignissen und auch uns. Walter Klingenbeck ist gerade 17 Jahre alt. Als er in München-Stadelheim hingerichtet wird. Sein Delikt: kritische Nachrichten sammeln und mit selbstgebauten Radiosendern verbreiten. Auch Helmuth Hübener, ein Hamburger Jung, wird siebzehnjährig in Berlin-Plötzensee ermordet, weil er auf Flugblättern die Propaganda-Nachrichten der Wehrmacht durch Informationen von „Feindsendern“ korrigiert hat. Zwei Beispiele, die uns zeigen, dass Widerstand zuerst einmal eine Haltung des Widerstehens ist. Eine Position zu beziehen und für die Wahrheit einzutreten, den Schwachen beizustehen – Haltungen die immer aktuell sind. Auch heute.

Andreas Oettel | knud kamphues