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„Borgfelde damals und heute“ – das Buch

BorgfeldeBuch2Haben Sie Interesse am Stadtteil Borgfelde, seiner Geschichte, seinen Straßen, Gebäuden, seinem Aussehen vor der Zerstörung 1943? Suchen Sie noch ein schönes Weihnachtsgeschenk? Dann ist unser Buch „Borgfelde damals und heute“ genau das Richtige für Sie! 

Auf 80 Seiten machen Sie einen Rundgang durch das alte und das heutige Borgfelde. 36 farbige Bildpaare zeigen alte Postkartenaufnahmen und die heutige Ansicht vom selben Standort aus. Pläne und Informationen ergänzen die Zusammenstellung. Das Buch ist das Ergebnis eines historischen Projekts mit 15jährigen Schülern in der Projektwoche 2013. Anlass war der 70. Jahrestag der Zerstörung unseres Stadtteils und die Einweihung unseres Schulgebäudes vor 60 Jahren.

Das Buch kostet 10 Euro. Es ist erhältlich im Schulsekretariat (Bürgerweide 33, Tel. 251 73 40) oder in der HASPA am U-Bahnhof Burgstraße (bis 29.11.). Wenn Sie es zugeschickt haben möchten, überweisen Sie bitte 12,50 Euro MIT ANGABE IHRER ADRESSE auf das Konto „Lutz, Sankt-Ansgar-Schule“, Kto. 10765436, BLZ 200 300 00 bei der HypoVereinsbank Hamburg.

 Lu 01.11.13

Borgfelde damals und heute

Bildschirmfoto 2013-09-10 um 21.01.35Ein Projekt der Sankt-Ansgar-Schule im Juni 2013

Im Juli 1943 fielen große Teile Hamburgs den schrecklichen Bombenangriffen der „Operation Gomorrha“ zum Opfer, darunter auch fast der gesamte Stadtteil Borgfelde. Zu Ostern 1953 bezog die katholische Sankt-Ansgar-Schule ihr erstes eigenes Gebäude an der Bürgerweide. Dieser Neubau wurde auf den Kellergewölben der zerstörten Volksschule Bürgerweide errichtet.

Der doppelte Jahrestag war Anlass für ein besonderes Projekt in der Woche vor den Sommerferien. 15 historisch interessierte Schüler aus 8. und 9. Klassen beschäftigten sich eine Woche lang mit Vergangenheit und Gegenwart der näheren Umgebung der Sankt-Ansgar-Schule. Es ging dabei einerseits um die Ereignisse und Erlebnisse in den Bombennächten, die uns u.a. von drei Zeitzeugen sehr eindrucksvoll geschildert wurden, andererseits um die Veränderungen in der näheren Umgebung unserer Schule.

Borgfelde war einer der am stärksten zerstörten Stadtteile Hamburgs. 1939 lebten hier 25.000 Einwohner, 1945 nur noch 66 und heute rund 8000. Das untersuchte Gebiet hat als Eckpunkte die Schnellbahnstationen Berliner Tor, Wartenau, Landwehr und Burgstraße; es schließt also die Teile Borgfeldes südlich der Borgfelder Straße aus und dafür einige Bereiche von Hohenfelde nördlich der Bahn ein.

Der relativ kleine Stadtteil Borgfelde wies vor der Zerstörung mehrere Bereiche mit unterschiedlicher Baustruktur auf: Im Westen gab es ältere Häuser, in denen viele Arbeiter wohnten. Im mittleren Teil (Burggarten und Alfredstraße) dominierten Stadtvillen mit Vor- und Hintergärten, von denen einige erhalten geblieben sind. Östlich davon schlossen sich bürgerliche Wohngebiete mit schmucken, stuckverzierten Gründerzeitmietshäusern an; hiervon ist kein einziges mehr übrig. Ein besonderes Merkmal waren die vielen großen Schulen, Krankenhäuser und Stiftsgebäude zwischen Bürgerweide und Angerstraße, die bis heute den Stadtteil prägen.

 

Beim Wiederaufbau in den 1950er Jahren wurde auf eine einheitliche, aufgelockerte Bebauung wertgelegt, um großflächige Brände wie beim Feuersturm künftig zu verhindern. Die Aufbauhäuser können vom Charme her bei weitem nicht mit der alten Bebauung konkurrieren, aber der Stadtteil ist wesentlich grüner geworden – so grün, dass man an vielen Stellen heute im Sommer die Häuser vor lauter Bäumen nicht mehr sieht…

Eine eigens hierzu erstelle Broschüre, die in der Sankt-Ansgar-Schule erworben werden kann, enthält 36 Gegenüberstellungen alter und heutiger Ansichten. Die genaue Lokalisierung der historischen Aufnahmen war teilweise recht schwierig, eine 1:5000-Karte aus dem Jahre 1929 leistete hier gute Dienste. Wir danken dem Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung für die Freigabe des Kartenmaterials. Die alten Bilder stammen alle aus der Sammlung Lutz, die heutigen Gegenstücke wurden von den Schülern angefertigt.

Hamburg-Borgfelde, im Juli 2013     Richard Lutz

 

Mephisto

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Ein Besuch des 2. Semesters im Altonaer Theater am 27.03.2013 Exilliteratur ist ein Thema des schriftlichen Deutsch-Abiturs 2014. – Der Roman „Mephisto“ von Klaus Mann – er ist der älteste Sohn Thomas Manns und einer der bedeutendsten Autoren der deutschen Exilliteratur – ist 1936 in Amsterdam erschienen. Hendrik Höfgen – ein hochtalentierter, charakterloser und überangepasster Schauspieler und Regisseur – steht im Mittelpunkt des Romans. Er trägt unbestreitbar die Züge des Schauspielers Gustaf Gründgens, der mit Erika Mann, Klaus’ älterer Schwester, kurz verheiratet war und während der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur eng mit Spitzen des Regimes vertraut war.

Anfang dieses Jahres wird auf der Bühne das Altonaer Theaters die Fassung von Helen Edmundson uraufgeführt – in der deutschen Übersetzung von Ulrike Engelbrecht und Michael Bogdanov, der auch Regie führt. Die SchülerInnen der SAS empfinden die fast dreistündige Aufführung mehrheitlich als interessant, spannend, informativ, kurzweilig, aufklärend. Dazu trägt zum einen die intelligente Umsetzung des komplexen, schwierigen Romanstoffes ins Bühnengenre bei: Eine Inszenierung mit „hohem Tempo“, sehr schneller Szenenfolge und revueartigen musikalischen Einsprengseln und ein originelles Bühnenbild fesseln die ZuschauerInnen. Besonders beeindruckt die schauspielerische Leistung des dreizehnköpfigen Ensembles: Marcus Böhm verkörpert einen intriganten, selbstgerechten, eitlen und egoistischen Hendrik Höfgen, der am Ende der Weimarer Republik den Linksintellektuellen gibt und ein revolutionäres Theater protegieren möchte, es dann umso mehr genießt, sich in Nazi-Deutschland dem Ministerpräsidenten, gespielt von Josef Tratnik – hier ist Herrmann Göring historische Vorlage – und seiner Geliebten Lotte Lindenthal (gespielt von Astrid Köhler) anzudienen, ihre Nähe zu genießen, „bei Hofe“ zu agieren. Es gelingt den Mitwirkenden, einen Eindruck von der Brutalität der grausamen, menschenverachtenden, mörderischen Diktatur zu vermitteln. Die Gesamtleistung des Ensembles beeindruckt: u. a. Uwe Serafin als Theaterdirektor und Geheimrat Bruckner, Herbert Schöbel als Propagandaminister und als Willie Böck, Dayan Kodua als Domina Juliette Martin, die eine der dunklen und im Nazi-Reich verbotenen Seiten Höfgens „bedient“.

Der Roman und die Theateraufführung bzw. der Autor Klaus Mann nehmen die Geschichte der darauf folgenden Jahre mit erschütternder Weitsichtigkeit und gleichsam vorhersehend voraus. – Gustav Gründgens kam nach Kriegsende kurzfristig in sowjetische Haft, spielte ab 1946 wieder und wurde zum gefeierten Hamburger Theaterstar, zum Intendanten des Deutschen Schauspielhauses und zum gefeierten Filmstar der fünfziger und frühen sechziger Jahre.

Helge F. Sturm | knud kamphues